Gott gibt es nicht!?

Zahlreiche Zuhörer waren kürzlich in die Beurener Gemeindehalle gekommen, um Steffen Kern, Pfarrer und Journalist, zu hören. Eingeladen hatten die evangelischen Kirchengemeinden im Neuffener Tal, die unter dem Namen „Evangelisch im Täle“ enger zusammenarbeiten wollen.

„Gott gibt es nicht!“ – mit dieser These setzte sich der Referent zuerst auseinander. Viele Menschen seien zu diesem Ergebnis gekommen, nachdem sie Enttäuschungen erlebt haben. Andere sehen, dass sich die Erde auch ohne Gott um sich selber dreht und die Wissenschaft ohne Gott erfolgreich arbeitet. Oft sei Gott, so Kern, auch missbraucht und benutzt worden, um andere zu unterdrücken. Gegen Gott spreche vieles: das Böse, das unendliche Leiden in der Welt. „Wäre es da nicht besser, es gebe keine Religion?“, fragte Kern und setzte dem entgegen: gottlose Systeme wie der Sozialismus oder der Nationalsozialismus hätten viel Unheil mit sich gebracht. „Die Hölle kriegen wir Menschen hin, den Himmel nicht“, sagte Pfarrer Steffen Kern.

Gegen den Zweifel an Gott seien auch glaubende Menschen nicht gefeit. Doch man soll laut Kern auch den Zweifel am Unglauben zulassen. Die zweite These des Abends war: Es gibt Zweifel am Unglauben, am Atheismus. Die Vehemenz, mit der manche Atheisten auftreten, mache sie verdächtig. Für den Glauben an Gott spreche die Schönheit in der Natur, die aus der Nüchternheit des technischen Alltags herausreißt. „Woher kommt der Reichtum der Schöpfung?“, fragte der Referent. „Es muss doch noch etwas geben“ – diese Ahnung lasse sich nicht einfach wegdrücken, sie komme immer wieder hoch wie ein Stück Holz, das man nicht dauerhaft unter der Wasseroberfläche halten könne.

„Wir können die Welt nicht denken, ohne nach dem Woher und Wohin zu fragen: Sind wir Menschen nur ein Produkt des Zufalls?“, sagte Kern. Wir Menschen sind vergänglich und haben die Sehnsucht, dass das nicht alles sein kann. Deshalb der Zweifel an der Gottlosigkeit, deshalb die Rebellion gegen die Vergänglichkeit. Gott zeige sich. In den Erzählungen der Bibel werde gezeigt, wer Gott sei. Kern: „Es gibt einen, der die Welt gewollt hat. Es gibt jemand, der die Farben in das Nichts gemalt hat. Es gibt einen, der unser Leben aus dem Nichts gerufen hat.“ Wir Menschen seien Gottes Ebenbilder, deshalb sei Gott nicht so ganz anders. „Wir können einander in die Augen sehen und kommen dabei Gott auf die Spur“, sagte Kern weiter. Die Bibel berichte von vielen Erfahrungen, wie Menschen Gott erlebt haben. Gott werde diese Welt „nicht vor die Hunde gehen lassen“. Es werde Gerechtigkeit geben, die Gott schafft. Gott, der ganz andere, werde in Jesus so, wie wir sind. Er sei der Lebendige, der in unser Sterben kommt, der ganz andere gehe unseren Weg. Er stirbt und lässt das Grab hinter sich. Er sagt: Ich lebe und ihr sollt auch leben! Dieser Glaube sei kein Weltbild, das wir uns machen, sondern persönliches Vertrauen. „Ich verlasse mich auf das, was ich von diesem Gott höre“, sagte Kern und fragte: „Woran hängen Sie Ihr Herz? Machen Sie sich selbst einen Gott oder verlassen Sie sich auf den lebendigen Gott?“

Der Vortragsabend wurde vom Posaunenchor der Beurener Kirchengemeinde eingeleitet und durch den Chor „Intakt“ bereichert. Durch den Abend führte Pfarrer Gerhard Bäuerle, Linsenhofen.