Im finsteren Tal: „Wie kann ich in schweren Zeiten beten?“

Voll besetzter Saal bei der Expedition im Kohlberger Gemeindehaus

Glaubenskurs im Täle: Ein eindrucksvoller Abend in der Mitte der Expedition

Am 4. Februar2020 fand bereits der dritte Abend zur Expedition von „Evangelisch im Täle“ statt. Etwa 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen aus den sieben Gemeinden des Distrikts „Neuffener Tal“ ins Gemeindehaus nach Kohlberg. Ein Team von rund 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hatte zusammen mit Pfarrer Harald Geyer die Vorbereitungen für das herausfordernde Thema übernommen: „Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.“ Musik, Dekoration, Technik, Impulse, Lesungen und Gebete waren einfühlsam ausgewählt und nahmen die Besucher mit hinein in das Thema.

Besonders eindrücklich war gleich zu Beginn der sehr persönliche Bericht einer Mitarbeiterin über ein selbst durchwandertes finsteres Tal, das kein Ende nehmen wollte. Die Spannung im Saal war dabei spürbar und alle konnten lernen, dass manche Ratschläge von außen in solchen Situationen schnell nicht mehr zum Rat, sondern zu schmerzlichen Schlägen werden können. Wie Psalmworte als Raum fürs eigene Beten genutzt werden können, wurde im nächsten Schritt gezeigt. Wir kennen die Lob- und Dankpsalmen. Daneben gibt es aber auch die Klagepsalmen, in denen wir klägliche, tiefe und jämmerliche Worte finden und für uns nachsprechen können. Auf den Tischen ausgelegte Karten mit Psalmversen dienten dazu, solche Situationen im Herz und im Kopf zu bewegen. Interessant war die Hinführung zum Psalm 23 über den in unserer Bibel direkt davorstehenden Psalm 22. Hier klagt ein Mensch und schreit um Hilfe. Angst ist um ihn und keine Hilfe sichtbar. Unter diesem Eindruck wurde dann deutlich, welche Hoffnung im zentralen Text dieses Abends steckt. Auch nach langer Durststrecke und nach schmerzhaftem Mangel in finsteren Zeiten fasst der Beter neuen Mut, erfährt Trost und Hilfe.

Ein Ausflug in vergangene Zeiten

Mit einem interessante Bibelclip wurden die Besucher in eine Situation hineingenommen, wie wir sie auch heute immer erleben können. Im ersten Buch Samuel erfahren wir von einer Frau Namens Hanna, die über Jahre unter dem nicht erfüllten Wunsch nach eigenen Kindern leidet. Wenn dann noch die Schadenfreude und der Spott anderer Menschen hinzukommen, dann kann schnell die totale Verzweiflung und Ausweglosigkeit folgen. Heute nennen wir das Mobbing: Auf andere Menschen eindreschen, die bereits genug Lasten zu tragen haben, sie verspotten und ausgrenzen. In den dann folgenden Lesungen wurden Schritte aufgezeigt, wie man am Beispiel dieser Hanna auch im finsteren Tal beten kann.

Ein Krug – Aktion zu Psalm 56

M. Schur und Pfarrer Geyer

Gebetsräume entdecken

Bei Gott gibt es Raum für unsere Gebete. Da ist Platz für abgrundtiefe Angst und Klage und für unser Vertrauen und unsere Freude. An vier Stationen konnten die Besucher dann selbst unterschiedliche Situationen und Formen des Gebets erleben. An einer Pinnwand waren Gebete aufgehängt, die gelesen und bedacht werden konnten. Die zuvor erzählte Situation der Hanna wurde an einer Station lebendig mit der Frage: „Wann hat Gott an dich in einer Zeit der großen Not gedacht?“ Ermutigt durch einen Psalmvers gab es Gelegenheiten, seine eigenen Sorgen, Nöte und Gebete aufzuschreiben und in einen Krug zu legen, wie wir es in Psalm 56 erfahren: „Sammle meine Tränen in deinen Krug; ohne Zweifel du zählst sie.“ Die vierte Station bot Raum zum stillen Gebet für sich selbst oder für jemand, der gerade durch ein finsteres Tal geht. Dabei konnten Kerzen als Zeichen des Lichtes entzündet und aufgestellt werden. Die anschließende Zeit war dann von sehr intensiven und angeregten Gesprächen geprägt. In kleinen Gruppen an den Tischen wurde der Frage nachgegangen: „Wie erleben wir uns selbst, wenn wir durch finstere Täler gehen müssen?“ Im Plenum konnten dann noch Fragen und Gedanken ausgetauscht werden. Dabei wurden die beiden „Werkzeuge“ des Hirten, der Stecken und der Stab, in den Mittelpunkt gerückt. Damit dürfen wir uns als Christen ohne Furcht und getröstet auch durch finstere Täler bewegen.

Ein denkwürdiger Abend: der 4. Februar

In der Vorbereitungsgruppe wurde das Lied „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ für den Abschluss des Abends ausgewählt. Ein Lied, das uns an Dietrich Bonhoeffer erinnert, dessen Geburtstag an diesem Tag zu feiern war. Mit Bonhoeffer, der am 4. Februar 1906 in Breslau geboren wurde, begegnete den Teilnehmern der Expedition an diesem Abend noch ein weiteres sehr eindrucksvolles Beispiel für dunkle Todestäler, die wir Menschen durch Hass, Überheblichkeit, Stolz und Streit selber schaufeln. Von Dietrich Bonhoeffer, der am 9. April 1945 im KZ Flossenbürg von den Schergen der Nazi-Diktatur hingerichtet wurde, ist überliefert, dass er betend auf die Knie sank, bevor ihm dann seine Henker den Strick um den Hals legten. Ein SS-Offizier, der an der Hinrichtung beteiligt war, berichtete tief beeindruckt von diesem Ereignis. Wie hätte Bonhoeffer in dieser Situation beten können, ohne vom Trost des guten Hirten zu wissen? Mit einem Abendsegen Bonhoeffers, den Pfarrer Harald Geyer allen Besuchern mit auf den Heimweg gab, endete der dritte Abend der Expedition „behütet, umsorgt, gesegnet“ im Neuffener Tal.

Günther Arnold