Gute Fragen öffnen neue Horizonte

Treffen der Hauskreise von Evangelisch im Täle in Tischardt

„Bibeltexte neu entdecken“ war das Thema, das Dieter Braun vom Evangelischen Jugendwerk in Württemberg (ejw) Ende Februar 2019 in der Christuskirche Tischardt entfaltete. Den  knapp 100 Besuchern gab er eine praktische Einführung in eine von ihm entwickelte dialogische Methode zur Auslegung von biblischen Texten in Gruppen. Diese Methode hatte Dieter Braun schon bei einer Veranstaltung im November 2018 in Kohlberg bekannt gemacht, nun konnte sie von den Besuchern des Abends, die meisten wohl Teilnehmer an Gesprächsgruppen oder Hauskreisen, ausführlich erprobt werden wurden. Dabei kam es Braun darauf an, neue Fragen auch an altbekannte Texte zu stellen. „Wenn man Fragen stellt, eröffnen sich neue Horizonte“, sagte er.

Der Physiker und Nobelpreisträger Isidor Isaac Rabi, so erzählte Dieter Braun, sei einmal gefragt worden, wie er zu seiner Intelligenz gekommen und zum Forscher geworden sei. „Durch meine Mutter!“ antwortete er den verblüfften Reportern. „Sie hat mich, wenn ich von der Schule heimgekommen bin, gefragt: Hast du eine gute Frage gestellt? Daher wollte ich immer herausbekommen, was hinter den Dingen steckt.“ Wer keine Fragen stellt, bekommt keine Antworten, auch hinsichtlich der Bibel, betonte Dieter Braun. Wer in Glaubensdingen keine Antworten für sich selber hat, hat auch keine Antworten für andere, die ihn fragen.

Gute Fragen stellen – darin waren die Rabbis im neuen Testament geübt, und als der zwölfjährige Jesus von seinen Eltern gesucht wurde, fanden sie ihn im Tempel sitzen, mitten unter den Rabbis, wie er ihnen zuhörte und „wie er sie fragte“. Und als die Eltern ihn vorwurfsvoll fragten: Warum hast du uns das getan? antwortete er mit einer Gegenfrage, die ihnen neue Horizonte eröffnete.

So kamen denn aus den Kleingruppen, in die sich die Besucher des Abends aufgeteilt hatten, im Plenum durchaus auch schwierige Fragen auf. Mit der Geschichte von der Auferweckung des Lazarus aus dem Johannesevangelium, Kapitel 11, hatten sich die Kleingruppen beschäftigt, und der Referent verstand es, die Fragen zu bündeln und Denkanstöße dazu zu geben.  

Er spricht, und es geschieht

Seine eigene Entdeckung in dieser Geschichte gab Dieter Braun auch preis. Es war die Frage: Warum ruft Jesus in die geöffnete Grabhöhle hinein: Lazarus komm heraus! – Wer hätte das hören sollen? Lazarus ist doch tot, und die Verwesung hat schon eingesetzt! Die Antwort kann nur sein: Der so spricht, Jesus – er spricht so, wie es in 1. Mose 1 Gott selber tut. Gott ruft: Es werde Licht! Und es ward Licht. Wenn Jesus spricht, schafft er Veränderung. Lazarus hört seine Stimme und kommt heraus – lebendig. Diejenigen, die die Stimme Gottes hören, können glauben, und ihr Leben wird neu.

Gleich am Anfang hatte Dieter Braun angemerkt, im pietistischen Württemberg sei es fast schwieriger, die Jugend mit der Bibel zu erreichen, als zum Beispiel im atheistischen Brandenburg. Hier bei uns glaubt man, es schon zu kennen und zu wissen. „Doch wenn die Bibel das lebendige Wort Gottes ist, wird man nie mit ihr fertig.“

Traugott Kögler