Neujahrsgottesdienst 2020 in Großbettlingen

In der neu renovierten und grundlegend sanierten Andreaskirche in Großbettlingen fand der traditionelle Neujahrsgottesdienst von Evangelisch im Täle statt. Aus allen sieben Gemeinden, die zu diesem kirchlichen Distrikt gehören, waren Gottesdienstbesucher da. Das jedenfalls konnte Prälat i.R. Ulrich Mack feststellen, als er zu Beginn des Gottesdienstes danach gefragt hatte.

 

Zur Tradition geworden ist zum einen, dass an Neujahr ein auswärtiger Prediger eingeladen wird – in diesem Jahr war es Prälat i.R. Mack, und zum anderen, dass ein Lied zur Jahreslosung eingeführt und gesungen wird. Als Jahreslosung wird von der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen (ÖAB) für jedes Jahr – drei Jahre im Voraus – ein Vers aus der Bibel ausgewählt. Seit 1969 beteiligt sich die römisch-katholische Kirche daran. Die Arbeitsgemeinschaft besteht aus 24 christlichen Dachverbänden.  Die Jahreslosung gilt vielen Christen vor allem im deutschen Sprachraum als Leitspruch für das ganze Jahr. Die Jahreslosung war denn auch Thema bei diesem Neujahrsgottesdienst. Sie lautet für 2020: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben“. Der Satz stammt von dem verzweifelten Vater eines schwerkranken Sohnes. Der Vater hatte Jesus angefleht: „Wenn du aber etwas kannst, so erbarme dich unser und hilf uns!“ Jesus hatte ihm entgegengehalten: „Alle Dinge sind möglich dem, der glaubt.“ Da schrie der Vater heraus: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ Der Mann klammert sich an Jesus, wie Prälat Mack ausführte, mitsamt seinem Glauben-wollen und seinem Unglauben. Sein Unglaube ist gewissermaßen in seinen Glauben gepackt durch das kleine Wort „hilf“, mit dem er sich Jesus anvertraut. Das lateinische Wort für glauben heißt „credere“, und ich glaube heißt „credo“. Mack erkennt in der Herleitung dieses lateinischen Wortes eine tiefere Bedeutung: Das „credere“ könne man erklären als zusammengesetzt aus „cor“ und „dare“, wobei „cor“ das Herz bedeutet und „dare“ geben heißt. Credere könne man deuten als: „das Herz hergeben, sich jemand anvertrauen“. Diese Deutung entspreche gut dem Sinn des Begriffs Glauben aus der Bibel. Am Ende heilt Jesus den Jungen und richtet ihn auf. Nicht alle werden geheilt, auch heute nicht, sagte Mack, aber „es gilt, dass wir uns im Glauben mitsamt unserem Unglauben diesem Jesus in die Arme werfen können“.

 

Ein großer Posaunenchor mit Bläsern aus fast allen Gemeinden, die zu Evangelisch im Täle gehören, gestaltete unter der Leitung von Thomas Sareika den Gottesdienst musikalisch. Für die erkrankte Ortspfarrerin, Senta Zürn,  wirkten Pfarrer Roland Conzelmann aus Beuren, ein Kirchengemeinderat der gastgebenden Gemeinde und Diakon Hendrik Lohse an der Gestaltung des Gottesdienstes mit. Zahlreiche Besucher nahmen das Angebot an, anschließend sich im evangelischen Gemeindehaus bei einem Ständerling zu treffen. Unter „Evangelisch im Täle“ firmiert die Kooperation der sieben Kirchengemeinden in Beuren, Frickenhausen, Großbettlingen, Kohlberg, Linsenhofen, Neuffen und Tischardt.

 

Ein Lied zur Jahreslosung – von Gottfried Heinzmann und Hans-Joachim Eißler getextet und vertont – kann man hören und herunterladen unter jahreslosung.net

 

Traugott Kögler