Die Kirche will Mut zu Neuem beweisen

Der rote Faden: Reinhard Wenzelmann und Traugott Kögler (links) blicken auf die zahlreichen Veranstaltungen zurück.

Mit Selbstkritik und neuen Impulsen ging am Freitag die erste Phase von „Evangelisch im Täle“ zu Ende


Seit knapp einem Jahr bauen die Kirchengemeinden Beuren, Frickenhausen, Kohlberg, Linsenhofen, Neuffen und Tischardt mit „Evangelisch im Täle“ an einem gemeinsamen Profil. Phase eins des Pilotprojekts ist zu Ende – Zeit, ein erstes Fazit zu ziehen und in die Zukunft zu blicken.
  
„Wir haben bemerkt, wie begrenzt unsere Fähigkeit zum Sprechen ist“, resümiert Neuffens Pfarrer Heinz-Michael Souchon nach einem langen Abend des Reflektierens mit Vertretern aller beteiligten Kirchengemeinden das erste Jahr des Projekts „Evangelisch im Täle“ (EiT).
Was meint er damit? Den Kirchen, das ist so weit bekannt, schwinden die Mitglieder. Ihre Anziehungskraft auf potenzielle Neuchristen bleibt gering. Die zahlreichen Veranstaltungen, die unter dem Dach von EiT im vergangenen Jahr angeboten wurden, beschäftigten sich, neben theologischen Fragen, auch mit wissenschaftlichen Ansätzen zu ebendieser Problematik.
In einem Fachvortrag etwa wurde festgehalten: Nur 30 Prozent der Tälesbewohner gehören soziologisch definierten Milieus an, die von der Kirche angesprochen werden. „Hören die anderen nun schlecht oder sprechen wir eine Sprache, die sie nicht verstehen“, fragt Souchon ein bisschen provokativ.
Die Ziele von EiT, einem Vorzeigeprojekt der evangelischen Landeskirche, sind klar: Die Gemeinden wollen sich vernetzen, ein neues Profil entwickeln, dem Evangelium im Neuffener Tal Gehör verschaffen. Ein neuer missionarischer Gedanke soll sich entwickeln. „Wir müssen anders werden, nicht die anderen“, sagt Neuffens Pfarrer Reinhard Wenzelmann. Dabei gelte es, die Lebenswirklichkeiten der Menschen als vielfältig zu akzeptieren. Die erste EiT-Phase unter dem Titel „Auf Gott hören, Menschen wahrnehmen“ ist zu Ende. Dieser erste Abschnitt, so Souchon, sei vor allem dazu da gewesen, „die Realität der Welt zur Kenntnis zu nehmen“. Mit dem Profiltag Anfang Juli und in der zweiten Phase wolle man dann diejenigen Aufgaben angehen, die vonseiten der Gemeinde an das Projekt gestellt wurden. Erst in der dritten Phase würden die Erfahrungen schließlich umgesetzt.
„,Evangelisch im Täle‘ ist ein auf Jahre angelegtes Projekt“, betont Souchon. Zahlreichen Gemeindegliedern, die am Freitagabend Gelegenheit zur Rückmeldung hatten, ist das noch nicht vollkommen klar: Zu wissenschaftlich und kompliziert sei diese erste Phase gewesen, so der Tenor. Rezepte, wie man die eigene frohe Botschaft verbreiten kann, habe man nicht bekommen. In den Gottesdienst kämen immer weniger Menschen, man hat Angst vor dem Zerfall der Gemeinden und die Jugend ist sowieso nicht ins Boot zu bekommen.
Die EiT-Begleiter Heinzpeter Hempelmann vom Zentrum „Mission in der Region“ und Maike Sachs, Pfarrerin des Projekts „Wachsende Kirche“, notieren alle Sorgen auf kleine Zettel, die sie an die Stellwände pinnen. „Wir brauchen den Mut, Neues zu wagen“, betont Souchon. „Wenn wir irgendwann in der vierten Phase darüber sprechen, was funktioniert hat und was nicht, fangen wir wieder von vorne an – es ist ein ständiger Prozess.“
Über Ziele und aktuelle Entwicklungen des Projekts gibt die Homepage www.evangelisch-im-taele.de Auskunft. Für den Profiltag am 1. und 2. Juli suchen die sechs Kirchengemeinden noch Delegierte, die über die Zukunft von „Evangelisch im Täle“ beraten. Die Plätze sind begrenzt. Anmeldungen nehmen die jeweiligen Pfarrämter entgegen.

 

VON ANNA-MADELEINE METZGER / NTZ