Neutestamentlicher Wind im 21. Jahrhundert

Mit bewegender Erzählung und eindrucksvollen Bildern hat Dr. Heiko Krimmer, ehemals Pfarrer in Dettingen/Teck, und heute noch Vorsitzender der Christlichen Mission Indien „Nethanja Narsapur“, die Zuhörer am 12. November im Kohlberger Gemeindehaus in eine andere, fremde und ungewohnte Welt mitgenommen. Sein Herz brennt für die Missionsarbeit, die Anfang der 70er Jahre mit einem Kinderheim im indischen Küstenstädtchen Narsapur begonnen hat. Der hebräische Ausdruck „Nethanja“, bedeutet „Gott hat gegeben“ und soll daran erinnern: Was hier geschieht, zeigt wie sich Menschen von Gott leiten lassen: Sichtbarer Segen, viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Indien und viele Menschen in Deutschland, die diese Arbeit durch Gaben und Gebet unterstützen. Indische Christen baten darum, sie auch beim Weitersagen des Evangeliums zu unterstützen. Zwei Dinge sind wichtig: "Verkündigt das Evangelium allen Völkern" und "Brich dem Hungrigen dein Brot". Aus kleinen Anfängen ist ein Netzwerk sozialer und geistlicher Hilfen geworden.

In vier Zentren gibt es inzwischen vielerei Einrichtungen, die indische Frauen, Männer und Kinder in ihrem Lebens- und Glaubensalltag unterstützen. In Visakhapatnam (Vizag) wurde ein Missionszentrum mit Bibelschule errichtet, wo der Gemeindeaufbau der Nathanja-Kirche unterstützt wird. Pastoren und Evangelisten werden hier auf ihren Dienst vorbereitet. Außerdem gibt es Kinderheime, ein Mädchendorf, Blindenhilfe, Witwenfürsorge und Zentren für Dalits.

Mädchen haben es in Indien sehr schwer, sie sind für ihre Familien nicht „nützlich“, sondern kosten nur eine Menge Geld. In Indien muss die Familie der Braut einen hohen Brautpreis bezahlen. Je gebildeter die Braut ist, desto geringer fällt der Brautpreis aus, daher unterstützt die Nethanja-Mission auch die Möglichkeiten zur Ausbildung von Männern und Frauen. So gibt es in Rajahmundry die Möglichkeit zur Elektronik-Ausbildung, eine Computerschule, und eine High-School. In Narsapur gibt es außerdem ein Ausbildungszentrum für technisch-handwerkliche Berufe.

 

In Kondalaagraharam gibt es neben Schulen und Gemeinden auch ein Krankenhaus mit Lepra-, TBC- und HIV-Kliniken, eine Krankenpflegeschule und Heime für behinderte und nichtbehinderte Kinder. Große Teile der Bevölkerung sind mit Aids infiziert. Für Frauen, die HIV-positiv sind wurde die Möglichkeit geschaffen, durch Näharbeiten ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen. Ihnen wird ein Kleinkredit gewährt, mit dem sie sich eine Nähmaschine und die nötigen Arbeitsgeräte kaufen können, was für sie die notwendige Voraussetzung ist, ihren Lebensunterhalt durch „Arbeit“ zu verdienen.

In den Gemeinden kommen ganze Familien mit großer Freude um das Evangelium zu hören. Besonderen Anklang findet der „Jesusfilm“. Pfarrer Krimmer berichtete von einer netten Begebenheit, wo der Film plötzlich abgebrochen werden musste, weil es keinen Strom mehr gab. Es wurde schnell eine Lösung gefunden, in dem Diesel aus einem LKW abgepumpt wurde und so der Generator wieder zum Laufen gebracht werden konnte. Geduldig warteten die Menschen, da sie großes Interesse daran hatten, den Film bis zum Ende anzuschauen.

Die Menschen in Indien leben in Furcht vor den Göttern. Die Botschaft von der bedingungslosen, befreienden Liebe Jesu, der für unsere Schuld am Kreuz gestorben ist, ist sehr anziehend. Dass Jesus jeden Menschen von der Schöpfung an geliebt hat und dies tut trotz Versagens – das ist auch für uns nur schwer zu begreifen. Um sich von Sünden zu reinigen bleibt den Hindus nur die Selbstkasteiung. Eine Reinigung durch ein Bad im Ganges, den sie nur durch rutschen auf den Knien erreichen. Die Botschaft vom Tod Jesu am Kreuz zur Vergebung unserer Sünden ist daher ungeheuer befreiend.

 

Viele lassen sich taufen und bejahen als Bekenntnis folgende Fragen:

 

• Glaubst du, dass Jesus Gottes Sohn ist?

 

• Glaubst du, dass durch seinen Tod am Kreuz deine Sünde vergeben ist?

 

• Willst du ihm treu bleiben bis zu deinem Tod oder seinem Wiederkommen?

Hindus glauben daran, bis zu 3.000.000 mal wiedergeboren zu werden. Hindus sind in sogenannte Kasten eingeteilt. Die Brahmanen bezeichnen die oberste Kaste. Der größte Teil der Bevölkerung gehört allerdings zu den Dalits, zu den Kastenlosen, die in Armut und Ausgestoßenheit leben. In eine nächsthöhere Kaste aufzusteigen ist unmöglich. Im Wiedergeburtsdenken steht die Bemühung, sich in der Kaste zu bewähren bzw. nicht tiefer zu fallen. Ebenso sind Hindus der Überzeugung, dass Hilfe für andere das „Karma“ zerstört. Armut und Not ist quasi so „vorgesehen“ und unveränderlich. Befreiung aus diesen Zwängen durch das Evangelium bedeutet für die Menschen in Indien die einzige Chance auf ein Leben in echter Freiheit.

 

Beispielhaft erzählt Heiko Krimmer von Pastor Abraham. Er gehörte zu den Brahmanen und kam zum Glauben. Von seiner Familie wurde er verstoßen und erlebte viel Anfeindung. Seine sechs Brüder konnten seine Abkehr vom Hinduismus nicht verstehen. Er jedoch ging treu seinen Weg im Glauben an Jesus Christus und betete für seine Familie. Heute – 40 Jahre später – sind alle sechs Brüder Christen.

 

Die entscheidende Botschaft an diesem Abend war der Zuspruch, dass Jesus Christus heute noch dieselbe Kraft hat wie damals, ob in Indien oder in Europa, wie auch hier im Neuffener Tal.

 

Eine persönliche Begebenheit hat Heiko Krimmer sehr ins Nachdenken gebracht. Er erzählte von einer Frau, die Bischoff Singh bei einer Kircheneinweihung darum bat, für ihre Heilung zu beten. Ihr Zustand war bedrückend und es war augenscheinlich nicht damit zu rechnen, dass die Frau wieder gesund würde. Herr Krimmer betete nicht wie Bischoff Singh für Heilung, sondern sprach über der Frau einen Sterbesegen. Wenige Tage später ließ die Frau ihnen ein Geschenk zukommen aus Freude über ihre vollständige Heilung. Jesus tut auch heute noch Zeichen und Wunder, genau wie damals. Leider sind wir zu „verkopft“, um mit seinem Eingreifen zu rechnen. Wir sind abgesichert und verlassen uns auf unsere eigene Kraft. Vielleicht wäre es neu eine Chance, wieder mit Jesu Eingreifen in unserem Leben zu rechnen, auch wenn die Wahrscheinlichkeit dagegen spricht!

 

Drei Punkte waren Heiko Krimmer wichtig, wie Menschen mit dem Evangelium erreicht werden können. Prinzipien, die in Indien angewandt werden, aber für uns hier und heute genauso wichtig sind:

  • Gehet hin!
    Wie Jesus es (uns) vorlebte, sind wir aufgefordert, zu den Menschen zu gehen und ihnen das Evangelium zu bringen, dort wo wir sie antreffen
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  • Erwachsene erreichen durch Kinder
    bedürftige Kinder lernen christliche Lieder und hören biblische Geschichten. Sie tragen das Gelernte in die Familien und bei Festen oder Elternabenden entsteht der Kontakt zu den Erwachsenen
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  • Christsein leben
    In Indien als Christ zu leben bedeutet zu leiden. Viele Vergünstigungen wie z.B. Lebensmittelkarten werden Christen entzogen. Obwohl wir keine Anfeindungen zu befürchten haben, leben wir oft nicht wie Jesus es uns vorgelebt hat. Unser Leben soll beispielhaft auf Christus hinweisen, wir sollen ein lebendiges Zeugnis sein, das unsere Mitmenschen neugierig macht. 

 

Für das aktuelle Hochwasser im Missionsgebiet, ausgelöst durch den Taifun, konnte ein großes Opfer an „Nethanja Narsapur“ weitergeleitet werden.

 

Elvira Jaiser

 

 

Mehr über die umfassende Arbeit von der Christlichen Mission „Nethanja Narsapur“ finden Sie im Internet unter www.nethanja-indien.de