Connection timed out Podiumsdiskussion: Mein Traum von Kirche Sept 2010 : Evangelischer Distrikt Neuffener Tal

Der theologische Handwerkerstolz

Hans Peter Weiß-Trautwein, Elke Dangelmaier-Vinçon, Johannes Eißler und Johannes Stahl (von links) diskutierten angeregt. Foto: Kübler

Zum Auftakt der Reihe „Evangelisch im Täle“ diskutierten Pfarrer über ihren Traum von Kirche

„Was ist Ihr Traum von Kirche?“ – Mit dieser Frage eröffnete Hans Peter Weiß-Trautwein, Pfarrer in Linsenhofen, am Donnerstagabend eine Podiumsdiskussion in der Festhalle Auf dem Berg in Frickenhausen. Die Veranstaltung bildete den Auftakt des Projektes „Evangelisch im Täle“.


Die Bezeichnung „Evangelisch im Täle“ sei das Schlagwort, unter dem die sechs Gemeinden im Neuffener Tal zusammenarbeiten, sagte Neuffens Pfarrer Heinz-Michael Souchon. Er ist Sprecher des gemeinsamen Projekts der Kirchengemeinden Frickenhausen, Tischardt, Linsenhofen, Beuren, Kohlberg und Neuffen. „Wir wollen uns gegenseitig stärken, die Potenziale der einzelnen Gemeinden nutzen“, so Souchon. Eine Gemeinschaft schaffen, gemeinsam Glaubenserfahrungen machen und diese Erfahrungen an andere weitergeben, das sind die drei Hauptziele, die die Tälesgemeinden erreichen wollen.

Die Podiumsdiskussion am Donnerstagabend war der Anfang einer Reihe von Veranstaltungen, ob Predigtreihen oder Vorträge, durch die die Gemeinden ihren Zielen näherkommen wollen. Auf dem Podium nahmen neben dem Moderator Hans Peter Weiß-Trautwein, Elke Dangelmaier-Vinçon, Pfarrerin in Oberensingen, Johannes Eißler, Pfarrer in Stuttgart, und Johannes Stahl, Pfarrer in Göppingen, Platz. „Wir wollten hier so viele unterschiedliche Sichtweisen wie möglich vereinen“, so Souchon.

Vor allem Johannes Stahl war beeindruckt von den vielen Zuhörern, die sich in der Gemeindehalle versammelt hatten. „Ich glaube, ich träume“, waren seine ersten Worte. Damit traf er den Kern der Diskussion: „Was ist Ihr Traum von Kirche?“ Stahls Antwort: „Ich wünsche mir, dass Offenheit nicht nur ein Wort ist, dass wir Altes neu entdecken und dass jede äußere Form dem Inhalt dient.“


Der Traum von liebevoll gestalteten Gottesdiensten

„Ich träume von einer Kirche der Gerechtigkeit, des Friedens und der Wahrung der Schöpfung“, verriet Elke Dangelmaier-Vinçon ihren Traum von Kirche. „Einer Kirche, die unbequeme Wahrheiten ausspricht und die den Menschen Halt und Orientierung gibt.“ Johannes Eißler fasste seine Gedanken zusammen: „Ich träume von einer missionarischen Kirche, von viel Musik und Gesang, von Pfarrern, die Teamplayer sind und von liebevoll gestalteten Gottesdiensten.“

Wie kann man die Menschen erreichen? Das war eine der Hauptfragen, über die das Podium später diskutierte. „Durch neue, moderne Lieder, die von einer Big Band gespielt werden“, schlug Eißler vor. „Aber was, wenn die Leute gar nicht singen wollen, die Musik nicht ihr Stil ist oder keine Big Band zur Verfügung steht?“, warf Stahl ein. Darin sah Dangelmaier-Vinçon kein Problem: Ob „Je t’aime“ nun auf der Orgel oder von der Big Band gespielt werde, sei letztlich egal.

Manch einer geht jeden Sonntagmorgen in die Kirche, aber viele sind nur einmal im Jahr an Heiligabend dort. Sollte die Kirche versuchen, das zu ändern? Darüber wurde man sich nicht einig. „Ich kann das schon verstehen, dass man sonntagmorgens lieber mal länger am Frühstückstisch sitzt oder im Wald joggen geht“, so Dangelmaier-Vinçon. „Nur weil jemand nicht regelmäßig in die Kirche geht, heißt das ja nicht, dass er kein Interesse hat.“ Schließlich seien es häufig genau diejenigen, die Kirchensteuer bezahlen. „Zwar kommen sie nicht regelmäßig, aber trotzdem lassen sie sich die Kirche was kosten und halten am Ende unseren Laden am Laufen.“

Das sah Eißler anders. „Ich finde es schmerzlich, wenn die Menschen den ungewohnten Mantel des Glaubens während eines Gottesdienstes an- und ihn danach wieder ablegen“, so der Stuttgarter Pfarrer. „Ich wünsche mir stattdessen, dass sie ihn für immer anbehalten.“

In anderen Punkten waren die Podiums-teilnehmer wiederum einer Meinung. Alle legen Wert darauf, den Kirchenbesuchern Mitgestaltungsmöglichkeiten zu geben. „Sorgfältig mit ihnen umzugehen, ist für mich eine Art Handwerkerstolz“, so Dangelmaier-Vinçon. Dass es bei diesen Themen enormen Gesprächsbedarf gibt, wurde in der Pause deutlich. Die Besucher vertieften sich derart in angeregte Diskussionen, dass es mehrere Aufforderungen brauchte, bis jeder wieder an seinem Platz war.

 

Text und Bild wurden uns freundlicherweise von der Nürtinger Zeitung (Lisa Kübler) zur Verfügung gestellt.