Connection timed out Rote Rosen reichen nicht - Milieuschulung Sept 2010 : Evangelischer Distrikt Neuffener Tal

Sehhilfe für „Evangelisch im Täle“

Welche Menschen zeigen Interesse an Kirche und welche Menschen  repräsentieren Lebensstile mit geringem oder gar keinem Kontakt zur Kirche? So fragen sich die sechs Kirchengemeinden im Neuffener Tal, die sich mit „Evangelisch im Täle“  auf einen gemeinsamen Weg gemacht haben um christliche Gemeinschaft einladender und attraktiver zu gestalten. Zu diesem Thema haben sie jüngst Markus Weimer, zuständiger Pfarrer für die Milieuschulung in der badischen Landeskirche eingeladen.

Neuffener Tal Die sechs Kirchengemeinden wollen nicht auf der Stelle treten, sondern im Hören auf Gott vor allem die vielfältigen Menschen im Neuffener Tal im Blick haben und ganz neu auf sie zugehen lernen. Welche Menschen sind es also, die keine Berührungspunkte zu den Angeboten der Kirchengemeinden haben und warum ist das so?
Markus Weimer, Pfarrer der badischen Landeskirche und seine württembergische Kollegin Corinna Schubert haben sich sehr ausführlich mit der sogenannten Milieuforschung beschäftigt und waren am 30. September 2010 Gast im Kohlberger Gemeindehaus, um den Mitarbeitern im Neuffener Tal neue Sichtweisen und Perspektiven der christlichen Gemeindearbeit aufzuzeigen.
 „Wer sich auf eine Milieuperspektive einlässt, der lässt sich auf ein Abenteuer ein! Man muss mit Überraschungen rechnen !“ So begrüßte Markus Weimer die Anwesenden und hat nicht zu viel versprochen. Zehn verschiedene Lebensstile oder Milieus wie etwa „Traditionsverwurzelte“ „Etablierte“ oder „Experimentalisten“ wurden von Herrn Weimer und Frau Schubert sehr detailliert und unterhaltsam charakterisiert; von der Freizeitgestaltung über die ungefähre Einstellung gegenüber der Kirche bis hin zur bevorzugten Art der Wohnungseinrichtung oder der abbonierten Zeitung. Viel Zustimmung erfuhren die beiden Referenten von der Zuhörerschaft, denn allzu treffend waren die Beschreibungen der verschiedenen Lebensstile, so dass man sich selbst oder seine Mitmenschen schnell darin wiedererkennen konnte. Erstaunlicherweise kann jedem Milieu sogar ein eigener Musikstil zugeordnet werden, was die Besucher an diesem Abend durch Hörbeispiele gleich an sich selbst ausprobieren konnten.
In der Regel fühlt sich jeder Mensch hauptsächlich in einem einzigen Lebensstil richtig wohl, mit wenigen anderen Milieus hat er Berührungspunkte, doch mit einigen Milieus kann er gar nichts anfangen. Indes warnte der Theologe Weimer vor Schubladendenken und vorschneller Ablehnung von Menschen, die in anderen Milieus zu Hause sind. Im Gegenteil warb der Referent dafür, das Wissen um die unterschiedlichen Lebensstile doch gerade in der christlichen Gemeindearbeit als Sehhilfe und Horizonterweiterung zu nutzen, um auch Beziehungen zu kirchenfernen Menschen knüpfen zu können.
Dass in den Kirchengemeinden schwerpunktmäßig andere Milieus vertreten sind, im Vergleich etwa zur Gesamtbevölkerung, wurde an diesem Abend besonders deutlich und stellt die Mitarbeiter, Pfarrer und Gemeindeglieder von „Evangelisch im Täle“ auch in Zukunft vor besondere Herausforderungen. Welche Milieus sind bei uns besonders ausgeprägt? Welche neuen Angebote etwa könnten auch andere Milieus erreichen? Wie kann eine gute Beziehungsarbeit zu anderen Lebensstilen gelingen ?
Abschließend machte Markus Weimer darauf aufmerksam, dass schon allein das aktivere Wahrnehmen unterschiedlicher Lebensstile ein gegenseitiges Kennen lernen erleichtert und zu einem besseren Verständnis untereinander beiträgt. Mit einem herzlichen Applaus und einem Täleswein bedankten sich die Gäste bei Markus Weimer und Corinna Schubert für den keinesfalls trockenen, dagegen sehr informativen und unterhaltsamen Abend. (dm)