Vertieftes Beten einüben

Auf großes Interesse stieß der Vortrag von Günther Schaible aus Sachsenheim, Gründer und ehemaliger Leiter des Wörnersberger Ankers, im April in der Christuskirche in Tischardt. Sowohl die jahrelange Arbeit mit jungen Menschen, wie auch sein persönlicher Glaube, der im Gebet gegründet ist, waren dem Referenten bei seinen Ausführungen abzuspüren.
Herr Schaible verstand es, das Gebet praxisnah und nachvollziehbar zu erklären und außerdem Mut zu machen, auch da, wo sich manche „Dürre“ eingeschlichen hat, wieder neuen Mut zu vermitteln. Das Beten sei mit dem Gespräch in menschlichen Beziehungen vergleichbar. So wie jede Beziehung Gespräch braucht, so müsse auch die Beziehung zwischen Menschen und Gott und umgekehrt vom „Gespräch“ geprägt sein, um lebendig zu bleiben. Wie dies allerdings konkret aussehen könne, das unterliege im Laufe einer Beziehung einer Veränderung, so Schaible. Wie auch in menschlichen Beziehungen würde eine Veränderung oft erst in einer Krise angestoßen. Oft würden Christen wenig Zeit in die Gottesbeziehung investieren und so die Kraftquelle verlieren und eine innere Leere erleben.
Nicht aus dem Lehrbuch, sondern aus den eigenen Erfahrungen hat Günther Schaible diese Erkenntnisse abgeleitet. Eine tiefgreifende Erfahrung war es für ihn, als er während einer Evangelisationswoche, für die er als Evangelist verantwortlich war, selbst diese innere Leere und das Schweigen Gottes erlebt. Auf der Suche nach Hilfe, ist er auf Gebetsformen der alten Kirche gestoßen, die seinem Glaubensleben neue Tiefe verliehen haben:
1.    lektio divi na        - informierendes Lesen des Wortes Gottes
                                  = was steht geschrieben?

2.    meditatio        - langsames Lesen – meditierend, kreisend umdenken
                                  = was will mir Gott sagen?

3.    oratio            - gefühlsbetontes Beten
                                  = aus der Tiefe rufe ich Herr zu dir
                                  = im Lobpreis juble ich Gott zu

4.    kontemplativ        - beten ohne Worte
                                  = ich schaue liebevoll zu Gott auf
                                  = ganz bei Gott anwesend sein
Herr Schaible bekräftigte, dass jede dieser Gebetsformen seine Berechtigung habe und wechselnd vorkomme. Zwei Formen hat er besonders herausgestellt.

Zur Gebetsform „meditatio“ führte Herr Schaible aus, dass sie eine gute Möglichkeit biete, Gedankenspiralen zu durchbrechen und innere Ruhe und Gelassenheit vermittle. Beispielhaft führte er aus wie z.B. bei Streit oder Unfrieden die Möglichkeit bestehe, mit einer Verheißung oder einem Zuspruch Gottes diese negativen Gedankenketten zu durchbrechen und zu erleben, dass Positives in die Gedanken einfließt und Mut und Zuversicht wachsen kann. Eine andere Sicht der Dinge sei die Folge und neue Gedankenimpulse könnten fließen.
Günther Schaible bekräftigte, dass Gottes Wort lebendig sei und Gott auch heute noch durch die Bibel zu uns spreche.
Auch das kontemplative Gebet ist für Herrn Schaible selber zu einer wertvollen Gebetsform geworden, die er gerne praktiziere, um neue Kraft zu schöpfen. „10 Minuten mit Gott zusammen nichts tun“, war eine Umschreibung, die manchen der Anwesenden zum Schmunzeln, letztlich aber auch zum Nachdenken brachte. Nachdem wir in der heutigen Zeit immer mehr von außen gesteuert werden, sei diese Aktivierung der inneren Kraftquelle für Christen unersetzlich. Die Ausübung dieser Gebetsform sei sehr alltagstauglich, da sie praktisch bei allen Routineaufgaben wie Staub saugen, bügeln, Rasen mähen, etc., einsetzbar sei. Bei dieser Form komme die prophetische Dimension des Glaubens zum Tragen und das Geheimnis des vertieften Gebets werde erlebbar.
Bei einer abschließenden Fragerunde machte Günther Schaible Mut, mit neuen Methoden Erfahrungen zu sammeln. Wichtig war ihm abschließend, die Anwesenden zu ermutigen, ihre Glaubenserfahrungen an die jüngere Generation weiterzugeben und sie im praktischen Glaubensleben anzuleiten.

Elvira Jaiser