Wie tickt man im Neuffener Tal?

Was die Statistik sagt: weniger Arbeitslose, viele Hausbesitzer

 

Die evangelischen Kirchengemeinden im Neuffener Tal wollen enger zusammenarbeiten und sich weiterentwickeln. In diesem Rahmen hatten sie am 1. Februar 2011 ins Beurener Gemeindehaus zu einer Abendveranstaltung eingeladen, bei der Daniel Hörsch, Diplomsoziologe beim „Zentrum für Mission in der Region“ aus Stuttgart, die amtlichen Statistiken aus dem Jahr 2009 unter die Lupe nahm. Dabei ergaben sich interessante Perspektiven.

In vielen Bereichen „ticken“ die Menschen im Neuffener Tal ganz „normal“. Das heißt: Im Vergleich zum Durchschnitt im Landkreis oder im Bundesland Baden-Württemberg zeigen sich nur wenige Auffälligkeiten. Die demographische Entwicklung der nächsten zwanzig Jahre zum Beispiel wird im Täle ganz ähnlich verlaufen wie anderswo, die Bevölkerung wird um etwa 7 Prozent abnehmen, in Beuren und Frickenhausen etwas mehr, in Neuffen einiges weniger. Was die Zu- und Abwanderung angeht, hatten im Rückblick auf die letzten zehn Jahre die Gemeinden im Täle einen positiven Saldo: es zogen mehr Leute her als weg. Beunruhigen müsste die politisch Verantwortlichen, dass in der Altersklasse der 25- bis 35-Jährigen, aber auch der 35- bis 50-Jährigen auffallend viele das Neuffener Tal verlassen. Diese Tatsache löste eine angeregte Diskussion unter den zahlreichen Besuchern aus. Wahrscheinlich wollen viele in der Nähe ihrer Arbeitsstelle wohnen, vielleicht ziehen sie der Kinder und der Schulen wegen in städtische Gebiete, oder sie suchen aus verkehrstechnischen Gründen den Anschluss an die S-Bahn. Daniel Hörsch betonte, dass die amtliche Statistik über die Ursachen für die Wanderungsbewegungen keine Aussagen mache. Um die Ursachen besser in den Blick zu bekommen, wären laut Hörsch Bürgerumfragen, wie sie etwa in Stuttgart vorgenommen werden, notwendig.

Noch wohnen im Neuffener Tal besonders viele Menschen in der Altersklasse zwischen 25 und 50, erklärte Hörsch an Hand von grafischen Darstellungen. Auch die Altersklasse der  Kinder und Jugendlichen bis 18-Jahre ist signifikant höher als im Landkreisdurchschnitt. Auf der anderen Seite ist aber bis 2030 mit einem massiven Einbruch bei den 35- bis 50-Jährigen zu rechnen, also bei der Bevölkerungsgruppe, die den demographischen Wandel der kommenden Jahrzehnte eigentlich schultern müsste. Mit Ausnahme von Kohlberg leben in den Gemeinden des Neuffener Tals gegenwärtig weniger Kinder unter 6 Jahren als im Landkreisdurchschnitt, nämlich 5,2 Prozent gegenüber 6,2 Prozent. Der Anteil der Ausländer ist überproportional niedriger, er beträgt 7,8 Prozent im Täle und 13,4 Prozent im Landkreis.

Besonders interessant sind die Daten zur Erwerbstätigkeit. Über 50 Prozent der Frauen gehen einer sozialversicherungspflichtigen Erwerbstätigkeit nach, im Landesdurchschnitt sind es nur 47,6 Prozent. Für den Soziologen auffallend ist die hohe Pkw-Dichte: rund 60 Prozent im Täle haben ein eigenes Auto. Hörsch sieht das in einem doppelten Zusammenhang. Einerseits sei der öffentliche Nahverkehr nicht besonders gut ausgebaut – für ihn als Nicht-Pkw-Besitzer sei es zum Beispiel recht umständlich, am frühen Abend zu einem Vortrag von Stuttgart nach Beuren und am späten Abend wieder von Beuren nach Stuttgart zu kommen. Andererseits sieht Hörsch einen Zusammenhang zwischen Pkw-Dichte und Pendlerquote; denn knapp 30 Prozent der Bevölkerung muss auf dem Weg zur Arbeit die Wohnortgemeinde verlassen. Dazu wird ein eigenes Fahrzeug angeschafft. In diesem Zusammenhang ist die erfreuliche Tatsache festzuhalten, dass das Täle eine hohe Beschäftigungsquote hat: mit 60,3 Prozent erwerbstätigen Einwohnern liegt man hier über dem Durchschnitt vom Landkreis (58,7 Prozent). Mit den Zahlen der Arbeitsagentur ausgedrückt: Während im Vergleichszeitraum im Landkreis 4,6 Prozent arbeitslos waren, sind es im Neuffener Tal nur 3,5 Prozent.

Was Kinder und Jugendliche angeht, lässt sich in den Statistiken ablesen, dass weniger Kinder nach der Grundschule ins Gymnasium überwechseln als sonst im Landkreis: im Täle sind es 34,3 Prozent im Landkreis 41,4 Prozent. Das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite suchen und finden 46,3 Prozent der Jugendlichen aus den Gemeinden ihre Zukunftsperspektive in der beruflichen Ausbildung.
Zur Lage von Familien findet der Soziologe nur wenige Anhaltspunkte in der amtlichen Statistik. Nimmt man die Frage nach dem Wohnraum in den Blick, lässt sich, so Hörsch, immerhin so viel sagen: Es gibt auffallend mehr Einfamilienhäuser in den Tälesgemeinden als im Landkreisdurchschnitt. Dort sind es knapp 56 Prozent, hier im Täle knapp 68 Prozent, in Kohlberg sogar 71 Prozent.

Zum Schluss wartete der Soziologe noch mit einer ganz besonderen Zahl auf: Der Anteil an Naturflächen ist überdurchschnittlich hoch; Wälder, Äcker, Wiesen haben im Neuffener Tal einen Flächenanteil von über 80 Prozent. Wörtlich meinte Hörsch: „Wenn ich an die Idylle, die landschaftliche Lage, das reichhaltige touristische Angebot denke – an das Thermalbad in Beuren, den Hohenneuffen oder das Freilichtmuseum –, dann muss man der Aussage zustimmen: das Täle, ihr Täle, ist ein ‚Augapfel Gottes‘.“  (KT)